Locations …

Vier, fünf Locations bilden mir den Rahmen für alle meine Bücher und Tätigkeiten:

Paris

Paris, meine Heimatstadt. Hier bin ich geboren und aufgewachsen. Hier lebt ein Teil meiner Familie und meiner Freunde. Hier habe ich einen „pied á terre“, der mir für die Bücher-und Agentur-Arbeit wichtig ist.

Paris Tipps

In den librairie gourmande-Himmel… Romantischer hätte man die Geschichte dieses Pariser Buchladens nicht schreiben können. Es fing an mit den grünen, bei fast jedem Wetter geöffneten hölzernen Bücherboxen am Ufer der silber sich schlingelnden Seine. Die Bücherbouquinistin und ursprüngliche Besitzerin Geneviève spezialisierte sich immer mehr auf Kochbücher. Der Handel florierte, die Kunden mochten ihre ehrliche, zupackende Art. Kochbuchliebhaber aus allen quartiers Paris‘ kamen zu ihr und fanden in ihr nicht nur eine Kennerin der Kochbuchszene, sondern eine, die auch die unmöglichsten Bestellungen alter und neuer Kochbücher möglich machte. Es war 1985, es war die Geburtsstunde von der Librairie gourmande, eines der ungewöhnlichsten Kochbuchhandlungen weltweit.

Und heute? Kochbuchliebhaber aus aller Welt, Chefs, Köche, Food-Fotografen, Autoren, Verlagsmitarbeiter, Pâtissiers, Designer und mittlerweile Touristen haben in diesem schon zwei mal umgezogenen Laden ihre papierne-kulinarische Paris-Destination gefunden. Sie ist einfach die größte und beste, herzlichste, persönlichste Kochbuchhandlung von Koch-Back- und Weinbüchern – inmitten der trubeligen Hauptstadt. Steigt man Métro Sentier aus, unweit der Place des Victoires, ist nicht mehr weit zur rue Montmartre.

Warum dieser Erfolg? Von glutenfrei (und dies nicht erst seit ein paar Jahren) bis Haute Cuisine, von Iranischer Küche bis zu Japan Cooking (alle Länder- und Regionenküchen), über Biodynamisches, livres de chefs, Boulangerie und Patisserie, Koch-Schulbücher, von schönen Re-editions wie z.B. der Guide culinaire von Auguste Escoffier, art de table-Bücher, Biographien, Auto-gastro-Biographien, bis hin zu Kinder-Kochbüchern, über Getränke, vegetarische, vegane, Bio-Titel, Diätbücher bis hin zur Gastrogeschichte, Geschichte von Marken und Porträts von Restaurants und großen Köchen, Gärtner, kulinarische Krimis, Wein- und Käsebücher, literarisch-kulinarische Texte wie z.B. „L’homme qui écoute les légumes“ des Japaners Asafumi Yamashita, kulinarische Reisebücher, Gastroführer, Enzyklopädien, Gastro-Magazine oder auch Spiele wie z.B. „A boire et á manger“ aus dem Musée du Louvre. Für die Kinder gibt es die librairie gorumande-Schürzen aber auch DVDs, Geschenke, Papeterie, Boxen, Kalender.

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Die librairie gourmande ist in Frankreich präsent auf verschiedenen Salons wie z.B. beim Salon omnivore oder dem Salon du chocolat, Sugar Paris oder auch noch in Lyon bei street food festival. Dort erfreut man sich an den unzähligen Probier-Signierstunden, den dédicaces, muss aber nicht selbst vor Ort sein, um online sich „seine“ eigene Signatur zu bestellen. Das erledigt die librairie gourmande online und schickt einem das vom Autor signierte Buch nach Hause. Ein Blick ins Internet und auf FB zeigt: Knapp 13 000 folgen, Tendenz steigend und belohnen den Einsatz für fast neue oder antiquarische 20 000 Bücher aus der kulinarischen Welt mit ihrem like. Sie haben ja auch recht, und ich gehöre dazu. Hier bekommt man persönliche Tipps, wird auf Medien-Besprechungen interessanter kulinarischer Titel oder Kochshows aufmerksam gemacht.

Die Buchladen-Mitarbeiter sprechen – für Franzosen – gut englisch. Gut für die, die zielsicher in den umfangreichen 1.Stock zu den fremdsprachigen Büchern gehen. Hier findet man eine interessante Auswahl von europäischen Neuerscheinungen, aber auch aus Indien, China oder den USA bis hin zu mehrsprachigen Titeln wie z.B. der Hefe-Titel „Cresci“, der italienisch-englisch ist. Besitzer und Mitarbeiter pflegen den Kontakt zu den französischsprachigen und internationalen Köchen, den Kochschulen und Restaurants, zu Autoren und Verlagen. So finden sich eigene Interviews, die von echten Begegnungen stammen. Oft zeichnet Deborah Rudetzki darunter und fragt in 9 Fragen so etwas wie „Welches Buch würden Sie aus Ihrer Kochbuchsammlung retten, wenn Sie nur eines retten könnten?“. Ihre Bücherinterviews auf den buchhandlungseigenen Newslettern fangen manchmal an mit „ Dieses ist ein ungewöhnliches Buch“. Ich sage: C’est une librairie étonnante! Dieses ist eine ungewöhnliche Buchhandlung!
Über diese Buchhandlung schrieben schon Autoren, es sei ein Restaurant ohne Essen, eine Patisserie ohne Patisserie, eine Küche ohne Herd. Dafür: Bücher. Braucht man noch mehr?
Librairie gourmande, 96 rue Montmartre, 75002 Paris
Montag-Samstag 11-19 Uhr
0033 (1) 43 54 37 27

Philippe Conticini, der ehemalige chef pâtissier von La Table d’Anvers, hat sich 2009 mit seiner Pâtisserie des rêves einen Traum erfüllt. Der einflussreiche und einfühlsame pâtissier entdeckt große Klassiker neu und behandelt die Desserts und pâtisseries wie echte Kunstwerke. Hier hat der éclair au caféwirklich den Geschmack des italienischen Espressos, die tarte Tatin ist zartschmelzend und voller Geschmacksnuancen, der Paris-Brest ist vollmundig im Geschmack und zugleich leicht in der Struktur. Seine Ladenausstattung lädt zum Verweilen ein: Glasglocken, wohin man auch sieht, und eine ästhetische Präsentation der Köstlichkeiten. Sein Laden in der rue de Bac führt wohl die besten Paris-Brest der Hauptstadt. Doch auch die éclairs au chocolat, komplett mit Schokolade glaciert, können sich sehen lassen. Pariser bestellen hier ihre Kuchen und pâtisseries für Veranstaltungen und Feste.
7. Arrondissement 93, rue du Bac, 75007 Paris Métro: Rue du Bac
www.lapatisseriedesreves.com

Diese winzig kleine Pâtisserie inmitten von Montmartre ist bekannt für ihre tartes. Die großen tartes aux fruits in unterschiedlichsten Variationen oder auch die himmlische tarte au chocolat werden in Stücke geschnitten und für je etwa drei Euro ver-kauft. Zugreifen lohnt sich!
18. Arrondissement 26, rue Lepic, 75018 Paris Métro: Blanche oder Abbesses

Jede Boulangerie-Pâtisserie in Paris und jeder große Pâtissier verwendet natürlich Schokolade, sei es für Trüffel, Kuchen, pâtisseries oder für Tafeln. Ursprünglich war Schokolade in Frankreich jedoch eine reine Frauensache. Sie wurde am Hofe durch Königin Anne d’Autriche, der Gemahlin von Ludwig XIII, eingeführt. Sie wurde die erste „Schokoladen-Botschafterin“ in Frankreich und beschäftigte eine eigene chocolatière. Später wurde die Bezeichnung chocolatier de la reineeine begehrte und lukrative Position am Hofe. Begünstigt durch die Gemahlin des Sonnenkönigs Ludwig XIV, Marie-Thérèse d’Autriche, wurde Schokolade bald auch von den Aristokraten und Literaten geschätzt. Erst viel später kam sie, so wie es auch beim Kaffee der Fall war, beim Volk an. Im 18. und 19. Jahrhundert wurde Schokolade bereits in pâtisseries verarbeitet und zum Backen verwendet. Heute sind pâtisseries und Schokolade nicht mehr nur den Aristokraten vorbehalten – ein Glück!

Es gibt eine Pâtisserie nur für éclairs! In einem interessanten Geschäft im Stil des alten industriellen Paris des 19. Jahrhunderts werden sie angeboten, in sage und schreibe 19 verschiedenen Geschmacksrichtungen von süß (z.B. rote Früchte, Zitrone, Karamell) bis herzhaft (z.B. Dill/Lachs, Foie gras/Feige). Sie sind zwar nicht gerade preiswert – was übrigens für die meisten pâtisseries gilt –, aber die Ausgabe lohnt sich!
2. Arrondissement 16, rue Bachaumont, 75002 Paris Métro: Sentier
www.latelierdeleclair.fr

Die älteste Pâtisserie der Hauptstadt, Stohrer, bietet mit ihren Lüstern und Wandmalereien eine herrliche Kulisse für die überbordenden Etalagen der pâtisseries. Stohrer ist ein Muss, wenn man die Pariser Pâtisserien besichtigen und kulinarisch testen möchte. Unbedingt probieren müssen Sie den puits d’amour, dessen Rezept erstmals im 18. Jahrhundert im Kochbuch Le cuisinier moderne von Vincent La Chapelle auftauchte.
2. Arrondissement 51, rue Montorgeuil, 75002 Paris Métro: Étienne Marcel
www.stohrer.fr

Pains au chocolat, croissants aux amandes…Das sind Kindheitserinnerungen an Paris, als wir aus der Schule kamen und ein goûter – ein typisches süßes Gebäckstück für den Nachmittag – auf die Hand bekamen. Warum das in Paris so beliebte Gebäck ausgerechnet viennoiseries heißt, hat mit einem Wiener Offizier zu tun, der Mitte des 19. Jahrhunderts in der rue de Richelieu eine boulangerie viennoise eröffnete. Sie hatte großen Erfolg und wurde immer wieder nachgeahmt. Fortan entwickelten sich die viennoiseries weiter, und der Begriff verbreitete sich im ganzen Land.

Die berühmte Boulangerie Poilâne wurde 1932 in der rue du Cherche-Midi in Saint-Germain-des-Prés durch Pierre Poilâne eröffnet. Mein Vater stand schon in den 1960er und 1970er Jahren Schlange, um das tägliche Brot dort zu kaufen. Später pflegte Pierre Poilânes Sohn Lionel und nun die Enkelin Apollonia die Backtradition. Sie backt das Brot wie eh und je im Holzofen. Man schmeckt den Unterschied und versteht, warum seit Jahrzehnten nicht nur mein Vater, sondern viele Pariser dafür anstehen. Die Liebe zum Brot zeigt sich übrigens auch in der Sammlung von über 2500 historischen Büchern über Brot, die Poilâne seit Jahren pflegt. Im Bereich der Pâtisserie gibt es nur eine sehr begrenzte, aber exzellente Auswahl – die tarte aux pommes und auch die kleinen Rosinenbrote sind unglaublich köstlich.
6. Arrondissement 8, rue du Cherche-Midi, Paris 75006 Métro: Saint Sulpice
www.poilane.com

Die erste Pâtisserie Lenôtre wurde 1957 eröffnet. Ursprung der pâtisserie moderne ist die Pâtisserie Gaston Lenôtre, die nach wie vor für zuverlässig erstklassige Qualität steht und mittlerweile 39 Läden in elf Ländern umfasst. Der mit zwei Auszeichnungen als Meilleur Ouvrier de France gekürte Guy Krenzer und auch die anderen Pâtissiers des Hauses halten die Tradition von Gaston Lenôtre hoch, der 2009 verstarb. Es gibt Klassiker und Modernes. Unbedingt probieren sollte man feuilles d’automne (mousse au chocolat und Mandelmeringue), bagatelle (ein Erdbeertraum) oder tarte aux pommes Eléonore. Außerdem gibt es Neuerungen, die ebenfalls sehr lohnenswert sind: planète citron (Marzipan, Zitronenmousse), fleur des neiges oder Pom Pom Pom (ein Apfeltraum mit Vanille und Karamell).
4. Arrondissement Lenôtre Bastille: 10, rue Saint-Antoine, 75004 Paris Métro: Bastille www.lenotre.com

Alle Tipps aus „Paris Patisserie“, Christian Verlag 2016.

Paris, ein literarischer Spaziergang ...

… durch das VI. Arrondissement, von Shakespeare & Company zur Sorbonne

 Wir starten an den linken Seineufern, an den die Bouquinisten in ihren grünen Holzkästen Literatur, Karten und Poster jeder Art verkaufen. Wir laufen ca 2,5 Kilometer und sind quer durch den quartier latin bis zur Sorbonne-Universität eine Stunde unterwegs.

37, rue de la Bûcherie: Shakespeare & Company
US-Amerikanerin Sylvia Beach eröffnete 1919 in der 12, rue de l’ Odéon ihre Buchhandlung „Shakespeare & Company“ für englischsprachige Bücher.  Die Buchhandlung war eine Institution für das literarische Leben im Paris der 20er und 30er-Jahre. Sie hatte eine angeschlossene Leihbücherei, in der sich der unbekannte und mittellose Ernest Hemingway Bücher borgte und 1922 „Ulysses“ von James Joyce verlegt wurde.  Ihre Kunden waren unter anderen André Gide, T.S. Eliot, Samuel Beckett, Anais Nin, Henry Miller, Ezra Pound und Scott Fitzgerald („Lost Generation“). 1941 besetzen die Deutschen Paris, die Buchhandlung wurde geschlossen. Sylvia Beach wurde sechs Monate in ein Internierungslager gesteckt. Die Buchhandlung wurde durch George Whitman, ein Enkel von Walt Whitman, in der Rue de la Bûcherie 1951 neu eröffnet. Heute führt seine Tochter Sylvia Whitman die Buchhandlung. Der neue Standort war Treffpunkt für die Beat Generation, wie z.B. Allen Ginsberg & Jack Kerouac, Henry Miller war Stammkunde.

21, quai des Grands Augustins
George Sand wohnte hier mit ihrem Geliebten Jules Sandeau von 1831-1832.

53, quai des Grands Augustins
An diesem Ort wohnten Freunde von Picasso (Ehepaar Leiris), er hatte sein Atelier um die Ecke. Hier wurde Picassos surrealistisches Theaterstück „Le désir attrapé par la queue“ (Wie man Wünsche beim Schwanz packt)  am 19. März 1945 unter der Regie von Albert Camus aufgeführt. Mitgearbeitet haben Jacques Lacan, Georges Bataille, Georges Braque, Claude Simon und weitere Freunde.

5-7, rue des Grands Augustins
Schauplatz von Honoré de Balzacs Novelle „Le Chef-d’œuvre inconnu“ (1831).
Picasso hatte 1937 hier sein Atelier. Hier entstand Guernica.

26, rue des Grands Augustins
Jean de La Bruyère (1645-1696) lebte hier von 1676 bis 1691. Hier entstand „Les Caractères“ (1688).

13, rue de l’Ancienne Comédie: Café Procope
Das Café Procope ist das älteste Café von Paris und stammt von 1686.  Über zwei Jahrhunderte besuchte jeder, der Rang und Namen in der Welt von Kunst, Politik, Wissenschaft oder Literatur hatte, das Café Procope. Es wurde gerne von Philosophen der Zeit aufgesucht, so entwickelte sich hier im 18. Jh. die aufklärerische Philosophie Frankreichs. Von Voltaire über Rousseau und seinen Freund Diderot, Balzac, Victor Hugo und Verlaine bis hin zu Anatole France – sie alle frequentierten das Café – ebenso wie Napoléon Bonaparte. Das Café wird sogar mit der Entstehung der Grundgedanken der Französischen Revolution in Verbindung gebracht.

60, rue de Seine, Hotel La Louisiane
Das Hotel ist vergleichbar mit dem Chelsea Hotel in New York. Es beherbergte unter anderem Jean Paul Sartre und Simone de Beauvoir von 1943-1949. Regelmäßig schauten Saint-Exupéry, Boris Vian, Henry Miller vorbei, aber auch die Jazzmusiker um Miles Davis und Chet Baker, sowie The Doors und Pink Floyd. Quentin Tarantino zog sich hierhin zurück, um am Drehbuch von Pulp Fiction zu arbeiten.

2, rue de Tournon
Honoré de Balzac lebte hier von 1827-1830.

7, rue de Tournon
Charles-Pierre Baudelaire lebte hier von 1846-1848.

14, rue Sainte Sulpice
La Chambre Claire ist eine Buchhandlung und Galerie zugleich, spezialisiert auf Fotografie.

5, rue de l’Odéon
Die Librairie Monte Cristo ist ein Antiquariat, spezialisiert auf Jules Verne und illustrierte Werke des 19. Jahrhunderts, außerdem Kinderbücher vor 1940.

 7, rue de l’Odéon
Hier war La maison des amis du livre, eine Buchhandlung und Leihbuchhandlung, 1915 gegründet von Adrienne Monnier. Monnier war die Lebensgefährtin von Sylvia Beach. Sie veröffentlichte 1929 die erste frz. Übersetzung von James Joyces Ulysses (die englische Ausgabe war 1922 von Sylvia Beach verlegt worden). Monnier beging 1955 Selbstmord. Die Gäste der 7 rue de l’Odéon waren Louis Aragon, André Gide, Jacques Prévert, Walter Benjamin, Nathalie Sarraute, Paul Valéry, Ernest Hemingway etc. Auch Musiker kamen zu Besuch, wie z B. Erik Satie oder Francis Poulenc.

12, rue de l’Odéon
‚Sylvia Beach eröffnete in der Rue de l’Odéon 1921 zum ersten Mal die Buchhandlung „Shakespeare & Company“ – hier gingen bedeutende Schriftsteller um Hemingway, Gertrude Stein usw. ein und aus. Es gab enge Verbindung zu amerikanischen Schriftstellern wie z.B. Scott Fitzgerald, Djuna Barnes oder James Joyce.

19, rue de l’Odéon
Hier gibt es die Buchhandlung Le Coupe-Papier, die auf Theaterwissenschaft und Bühnenkunst spezialisiert ist.

19, rue Racine
Librairie-galerie Jardins en Art gibt es seit 2014. Sie ist spezialisiert auf französische und internationale Gartenliteratur.  Die Schaufenster sind immer sehr spannend gestaltet, es lohnt sich vorbei zu schauen.

1 rue Victor Cousin: Sorbonne. Universität Paris.
In den kunstvollen Hörsälen saßen schon berühmte Literaten, Geistesgrößen und Intellektuelle wie z.B. Thomas von Aquin, Denis Diderot, Marie Curie oder Simone de Beauvoir.

Le Piquet an der Loire

und andere Landhäuser

Auch seit immer gibt es mein Landhaus „le Piquet“ im département der Loire, knapp 180 Kilometer südwestlich von Paris. Dieses Haus mit seinen 3 Hektar Land, ist bald 400 Jahre alt und ist mir Inspiration, Ruhepol und Quelle zugleich. Ich habe aber auch das Glück, die Häuser von Freunden und meiner Familie in der Bretagne oder an der Côte de Provence ab und zu bewohnen zu können. Hier tanke ich auf, auf der Suche nach Themen für meine nächsten Bücher, wenn ich nicht zu Hause in Freiburg, in Paris oder an der Loire bin.

Casses-croûte, picknick á la campagne, á la mer et picknick á Paris

Vesper, Picknick auf dem Lande, am Meer und Picknick in Paris

Was für eine herrliche Verabredung mit Freunden und unserer famille Rousseau ließ uns immer wieder sagen: Lasst uns ein Picknick machen! Lasst uns in der Natur treffen, im Wald von St. Germain, im Park von Versailles, auf dem Feld  am Rand des Sees oder des Bachs bei Semur-en-Vallon, am Strand von Batz-sur-Mer, von Royan am Atlantik oder bei Cannes an der Côte d‘Azur! Lasst uns am Quai treffen mitten in Paris, am Ufer der Seine! Lasst uns ein Picknick machen und alle waren schon in Erwartung des Ausflugs glücklich.

Den großen Picknickkorb hatten wir aus dem Korbladen in der Côte de Versailles erstanden, der lange noch mit dem Kopfsteinpflaster aus der Zeit Ludwig. XIV versehen war und ihn mit Porzellangeschirr, Gläser, eine Handvoll der klassischen Opinels- oder Laguilolles-Messer, einem Kühlkrug für den Champagner, Geschirrtücher und Servietten gefüllt. Mein Großvater füllte noch seine zwei Drahtkörbe von Combrichon mit seinem breiten Holzgriff, Körbe, die wir, gefüllt mit den Weinflaschen, später gut an einer langen Schnur in den Bach tauchen konnten. Die Vorbereitungen waren im vollen Gang: Tarte au fromage, mit Ziegenkäse und Feigen belegte Baguette, Käse wie einen Beaufort oder einen Tomme de Savoie, selbstgemachte Brioche, diverse Salate, Terrinen, Schokoladenkuchen und andere Leckereien. Lektüre und Strohhüte durften nicht fehlen.

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Wir stolzen Franzosen sind ja überzeugt, dass das Picknick seinen Ursprung in Frankreich hat – aus dem Wörter piquer (stechen oder stehlen) und nique (Kleinigkeit) und daher als DIE französische Beschäftigung per se darstellt. Der Schriftsteller Jean de La Bruyère, lehrte mich mein Vater, hat das Wort zum ersten Mal in einem Roman verwandt. Jean de La Bruyère – das war doch schon im 17 Jahrhundert… Wenn das stimmt, dann sind wir Franzosen also erfahren… Was in der Aristokratie des 18. Jahrhunderts, als die großen Städte wie Paris als schmutzig und übervölkert galten, seinen Höhepunkt erfuhr, war genau das: Ab in die frische Luft, raus aus dem Städten. Noch später benutzte man die moderne Eisenbahn und es gab kein Halt mehr – was zuvor der Aristokratie vorbehalten war, machten die kleinen Leute nach: Waldpicknicks, Parkpicknicks, in den schönsten Destinationen rund um Paris breiteten tausende Bourgeois und ihnen gleich ihre Bediensteten die Picknickdecken aus. Kaum ein Impressionist, das diese Szenen nicht gemalt hätte…

Frei sein, ab der Konventionen von Sitzordnung und engen Esszimmern, die Köstlichkeiten in der Natur auspacken, den Kopf im Schatten, die Füße in den kühlen Bach oder in die Sonne strecken, sich Zeit lassen beim Essen, Reden und Lachen: Das haben wir geliebt. Wir haben die Ameisen ignoriert, die die tartines entdeckten und die Bienen die süßen Getränke der Kinder. Wir haben mit Grashalmen gespielt, die Boules ausgepackt und eine partie de pétanque begonnen mit Groß und Klein, Jung und Alt. Und wir haben chansons mit den Großeltern gesungen, wenn einer die Gitarre oder das Akkordeon auspackte. Ein paar Steine und einen Rost, den wir mitgebracht hatten: Mehr brauchten wir nicht, um ein kleines Lagerfeuer zu machen und dann das zu grillen, was wir in den Körben hatten. Oder unsere geliebten Honigäpfel zuzubereiten, für die wir nur in die Aushöhlung der Äpfel einen kräftigen Berghonig hineinträufelten, um sie in Alufolie eingewickelt ca. 10 Minuten in die Glut zu legen. Später haben wir heißen Kaffee aus der Thermosflasche in Henkeltassen gegossen, uns etwas abseits ins Gras gelegt, mit dem Gesicht gen Himmel und die Wolkenbilder betrachtet. Bis es vielleicht anfing zu regnen und wir den Heimweg mit der karierten Picknickdecke über dem Kopf antreten mussten. Bis vielleicht es dunkel und etwas kühl wurde, bis der Picknickkorb leer gegessen wurde… Enfin…

 

Le sel sur nos peaux, le sel dans nos saladières et nos casseroles

Salz auf unserer Haut, Salz in unseren Salatschüsseln und Kochtöpfen

Ding dang dong… Freunde von uns hatten ein wunderbares altes Priesterhäuschen mit blauen Fensterläden, das sich eine seiner dicken grauen Steinmauern unmittelbar mit der Dorfkirche teilte in dem bezaubernden bretonischen Küstendorf Batz-sur-Mer. Da unsere Familien gerne sommers Ferienhäuser-Tausch pflegten, führte es dazu, dass wir manchmal während unserer langen französischen Schulferien einen Monat lang an der Bretagneküste verbrachten. Die Kirchturmglocken rissen uns gnadenlos tagein, tagaus frühmorgens aus dem Schlaf und sonntags hatten wir im Bett das Gefühl die singende Gemeinde würde direkt neben einem stehen. Ave Maria und Amen inklusive. Das nahmen wir dennoch gelassen, denn vom Haus aus hörte man das sommerlich frische Meer an den grauen Felsen toben und wir eilten frühmorgens schon raus aus dem von der Nacht noch kühlen, typischen Bretagne-Haus. Vom Innenhof aus stolperten wir geradeaus auf den Kirchplatz hinaus, der zugleich Marktplatz war und nahmen unseren leeren Weidekorb mit. Denn wir kauften direkt an den Marktständen unser Picknick zusammen, das wir für den langen Strandtag vorgesehen hatten.

Die Landschaft rund um Batz ist geprägt von den Salinen und den kleinen Salzhügeln hier und da an ihrem Rand. Schon sehr früh haben wir Sel de Guérande, aus einem Nachbarort von Batz-sur-Mer für uns entdeckt. Denn so richtig gefallen hat uns nie, dass das gewöhnliche Handels-Salz meist lange mit Bleichmitteln und Rieselhilfen verarbeitet wird. Schade, dass nur 30 % des Salzes aus dem Meer stammt, sage ich mir. Salz aus Guérande wird unbehandelt angeboten und man erkennt ihn an seiner grau-weißen Farbe. Was von außen schmutzig erscheint, ist es nicht. Da er viel Jod, Kalium und Magnesium enthält, ist er besonders zu empfehlen, obwohl Salzgebrauch an sich mit Maßen zu genießen ist. Vorsichtig per Hand wird aus den Salinen der Salzschaum abgeschöpft. Das Salz ist besonders aromatisch, da er die Geruchsstoffe aus Fauna und Flora der Salzgärten annimmt. Dieses Aroma ist einzigartig und erinnert mich immer an die Sommer meiner Kindheit in Batz.

Eine besondere Spezialität ist die Fleur de Sel, ein speziell geerntetes Meersalz, die Königin der Salze. Fleur de Sel ist milder als andere Salze und hinterlässt keinen bitteren Nachgeschmack. Auch er wird per Hand gewonnen und nicht maschinell, was ihn an sich schon wertvoll macht, ein echtes Erzeugnis menschlicher Hand. Die Salzgärtner, die, wie ich finde, eine der schönsten Berufsbezeichnung besitzen, setzen dabei das Meerwasser in besondere Behälter und setzen es so der Sonne und dem Wind aus, bis eine Sole entsteht. Die Fleur de Sel bildet sich an der Oberfläche der Sole – eine Salzblume – und wird dann abgeschöpft und weiter getrocknet. Unser Salzverbrauch ist allgemein zu hoch, daher pflegt man Salz in Maßen zu genießen und im Allgemeinen mit dieser mineralischen Würze vorsichtig umzugehen. Ein Trick aus der Bretagne ist Salz mit Gewürzen zu mischen, um Geschmack und Aroma zu betonen und das Salz das ganze Gericht nicht definieren, sondern nur erahnen zu lassen. Und lieber mit kleinen Mengen zu arbeiten, denn, so fand meine Mamie immer wieder, kann man ja auch bei Tisch individuell nachwürzen.

Am Rande der Salinen wird meist in kleine weißen Kastenwägen das Salz verkauft. Eine unserer letzten Handlungen vor unserer Rückfahrt nach Paris war der Salzkauf. Seit den Aufenthalten meiner Kindheit in der Bretagne reise ich immer mit einem großen Sack voller Sel de Guérande nach Hause, denn Salz verdirbt – im Unterschied zu Gewürzen – nicht. Und wenn er trocken gelagert wird, hält der Salzsack garantiert klumpenfrei. Bis bald, bis zum nächsten Bretagne-Urlaub!

À bientôt, aux prochaines vacances bretonnes!

Tipp: Eine weitere Salz-Empfehlung, diesmal für Loire-Urlauber: Sel de Noirmoutier aus der Loiremündung!

 Aus Cuisine verte, Jacoby & Stuart Verlag 2014

 

Loire Tipps ...

Tours: Die Ufer der Loire sind nicht nur dort magisch und wunderschön, wo sie sich zwischen Dörfern schlängelt, sondern auch in der Innenstadt von Tours, der Geburtsstadt Balzacs. An der Wilson- Brücke gehen Wege bis hinab ans Wasser, kleine Lese-Cafés mit offenen Bücherregalen für jedermann haben geöffnet, an aufgestellten Fässern und Bistrotischen lassen sich Loire-Weine verkosten und auch Leinwände, Pinsel und Farbe ausleihen, so dass jeder an den Staffeleien probieren kann. Douce vie im Herzen Frankreichs.

Weinanbaugebiete und Felsenwohnungen Montlouis und Vouvray:
Beide Gebiete sind nicht nur wunderbare Weingegende, sondern bieten Sehenswertes: In Felsen gehauene Höhlenwohnungen und Keller. Kein Wunder, dass sich der Wein dort wohl fühlt: Die Höhlen-Keller haben eine konstante Temperatur. Dort lagern in unterirdischen Galerien die besten spritzigen Vouvrays und Montlouis und reifen heran zu noblen, sehr vollen Weinen. Die Keller und überraschenden, im Felsen gehauenen Wohnungen mit ihren romantischen Fenstern und Türen lassen sich besichtigen. Un habitat étonnant!

Die Abendilluminationen der Kathedrale von Le Mans:
Die Stadt der 24-Stunden-Rennen lockt an manchen Wochenenden Motorradfahrer aus ganz Europa. Sonst bietet die Stadt neben ihren bunten Wochenmärkten und den kleinen, boutiquenreichen Altstadt noch ein mittelalterliches Herz, das zu den schönsten Mittelfrankreichs gehören. Rund um die unter Denkmalschutz stehende fünfschiffige Kathedrale Saint Julien mit seinem am Mont St-Michel erinnernden Kreuzgang führen ruhige, bepflasterte Sträßchen mit mittelalterlichen Bauten, Innenhöfen, zu denen bunte Türen Zutritt lassen. Die Glasmalereien, für die der Stolz der Sarthe-Bewohner berühmt sind, waren wohl Inspiration für eine ganz besondere Attraktion, die es nur im Sommer zu bestaunen gibt: La nuit des chimères. Pflaster und Fassaden der historischen Monumente verwandeln sich bei Anbrauch der Dunkelheit in eine Projektionsfläche. Es gibt für die bunte, beeindruckende Illumination acht Orte und ein sehenswerter Parcours. Ein Stationentheater gibt seit Kurzem Aufführungen unter freiem Himmel.

Kapelle Saint-Gilles in Montoire-sur-Le-Loir:
Wer sich in der frühen französischen Literatur etwas auskennt, ist vielleicht auf den Dichter Pierre de Ronsard (1524-1585) gestoßen. Seine Liebes-Sonetten oder längeren Oden schrieb er, noch bevor König Heinrich ihn zu Hofdichter ernannte. Ronsard kam aus Couture sur Loir, einem kleinen Ort an dem Fluß Loir, der zwar weniger bekannt, aber genauso schön ist, wie seine große „Schwester“ Loire. Couture-sur-Loir ist ein Tipp für ein Picknick am Flußufer der Loir. Wer noch weiter Halt machen möchte, dem seien Montoire-sur-Le-Loir und dort die Ausmalungen der Kapelle Saint-Gilles aus der romanischen Stilepoche empfohlen. Berühmtester Prior dort war Ronsard. Er muss sich unter den schönsten und kunstvollsten Malereien, die je aus romanischer Zeit erhalten sind, bei der Arbeit und auch für seine Dichtung sehr inspiriert gefühlt haben!

Freiburg

Am Rande von Freiburg, am Fuße von Rebbergen und mit Blick auf den Schwarzwald lebe ich seit vielen Jahren mit meiner Familie. Hier ist auch einer der zwei Standorte unserer PR-Agentur BUCH CONTACT (Freiburg, Berlin): www.buchcontact.de.

 Freiburg Tipps

Strass Café (Ecke Schusterstrasse/Herrenstrasse)

Hier steht ein Engländer hinter der Original 1968-Espressomaschine E61, Martin Craven. Ich meine, Martin hätte damals mit studiert – doch er muss früh seine Leidenschaft für guten Espresso aus Kalabrien und Original-Strass-Schmuck von 1910 bis 1970 entdeckt haben. Denn seinen Laden führt er schon eine Weile. Zum Glück, denn hier lässt sich der beste Cappuccino der Stadt  (auf Wunsch mit Herzblatt) mit dem besten Käsekuchen der Stadt (Stefan’s) genießen. Wenn man Glück hat, ergattert man dafür einen Platz am großen Fensterplatz, sondern eben lässt es sich im Stehen oder draußen bei gutem Wetter auf den Pflastersteinen sitzend schmecken.

Hildas Zimmer (Herrenstr. 45)

Hier haben Schönes und Nützliches ihren Platz, trouvailles aus Frankreichs Antikmärkten sowie Edles von kleinen, familiengeführten Manufakturen aus ganz Europa, bevorzugt Frankreich, Italien und Skandinavischen Ländern. Charmante Mischung, die mir gefällt und die mich immer wieder den Laden aufsuchen lässt auf der Suche nach einem Geschenk für meine Liebsten oder für mich.

Kastaniengarten (Unterhalb Kanonenplatz)

Bier, Brezeln, Gegrilltes oder Flammkuchen. Wer den schönsten Blick über die Altstadt und den Sonnenuntergang über den Vogesen in herrlicher Biergarten-Atmosphäre erleben möchte, dem sei der Kastaniengarten empfohlen. Hier tummeln sich alle, Studenten, Familien, Rentner oder Ausflügler. Bei trockenem Wetter hat der Kastaniengarten von 11 bis 0 Uhr geöffnet. Und bei WM oder EM gibt’s Fußball dazu, manchmal auch Live-Musik.

Drexler (Rosastr. 9)

Ich liebe am Drexler ganz in der Nähe unserer Agentur den urbanen Stil, die excellente Küche und die gut geführte, umfangreiche Weinkarte mit an die 550 Positionen. Kein Wunder, denn beide Geschäftsführer Ralph Schmidt (Wein) und Mario Fuchs (Küche) haben in ihrem Pendant zum Weinhaus Drexler (seit Jahrzehnten ein Unikum in Freiburg) nahe dem Colombischlösschen ein Genießer-Ort mit á la carte, einer leichten Mittagskarte und 3- oder 4-Gänge Menü etwas kreiert, das es sonst nirgends in Freiburg gibt. Alle 14 Tage wechselt das Angebot an offenem Ausschank von 30 hochwertigen Beispielen.  Ich bin noch nie kulinarisch enttäuscht worden, liebe die schweren Nussholztische und weißen Damasttischdecken und führe gerne unsere Kunden aus der Verlags-, Medien oder Museumswelt hierher.

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Jazzhaus (Schnewlinstr. 1)

Die Clubszene Freiburgs ist vielfältig, für jeden gibt es den passenden Laden. Wer in einer Location von über 250 Konzerten im Jahr zwischen Jazz, Blues, Rock oder Pop wählen möchte, streift seine Lederjacke über und steigt in das atmosphärische Kellergewölbe des Jazzhauses ein. Live acts in diesem ehemaligen Portweinkeller lassen die Bude dampfen.  Man hat jedes Mal den Eindruck, dass die Künstler zum Greifen nahe sind.

Goldschmiede Kaltschmidt (Schusterstr. 50)

Wer Sommers die Füße im „Bächle“ abkühlen möchte, kann dies in der Altstadt vor der 1966 gegründeten Goldschmiede Kaltschmitt umringt von edlen funkelnden Steinen. Die weisen auf das Innere des liebevoll gestalteten Ladens hin: Colliers, Ringe, Ohrschmuck oder Armbänder aus Silber, Gold, Platin und Palladium, kombiniert mit edlen Perlen und feinen, außergewöhnlichen Farbedelsteinen. Für diese kreative Schmiede für Unikate stehen zwei Namen, Jörg Richter und Fleur Chapman, die 2004 die Goldschmiede übernommen haben.

The Heritage, Barber shop (Fischerau 20)

Da geht neuerdings der Mann hin. Zum Bart rasieren oder färben, Haare schneiden, sich pflegen lassen, in den alten, italienischen Barbierstühlen Probe sitzen oder aus dem alten Apothekerschrank sein eigenes graviertes Rasiermesser deponieren. Die Einrichtung von 1910-1930, die die  Geschäftsführer Matteo Trisoglio und Marco Holz aus Italien nach Freiburg gebracht haben, ist schon jetzt Kult. Deren gelernte Barbiere freuen sich sicher auch an Original-Musik, handgestickten Tüchern oder Möbel-Raritäten, die mit viel Liebe zum Detail zusammengetragen wurden. Der Mann lernt hier viel über Pflege des Barts – aber in Seminaren zu Maßanzügen, Hüten, Messern eben auch über Anderes. Das Programm ist rund. Ein DJ-Freund von mir, Rick van House, war der erste Gast und wird sicher wiederkommen. Schön, dass dieses alte Handwerk neuerdings in vielen Städten und nun in Freiburg wieder auftaucht.

Wetzstein Buchhandlung (Salzstr. 31)

Ich reise in viele (Buch-) Städte dieser Welt und besuche jedes Mal natürlich Buchhandlungen, doch dies ist wirklich eine der Schönsten: Neben den wichtigen Neuerscheinungen, Dünndruckausgaben, Lederausgaben, Fotokunst und Skulpturen, Musik und Unikate, Handgeschriebenes, Wetzstein-Kalender, viele signierte Ausgaben, alle Bände der Bibliothek Suhrkamp, Insel Bücherei, Manesse Bibliothek, die Bibliothek Deutscher Klassiker, alle Bände der Reihe Winkler Weltliteratur, die gesamte Reihe der Hanser Klassiker-Neuübersetzungen, Wetzstein Sondereditionen, Wetzstein-Brief. Die Aufzählung ist Programm und groß, doch was besticht ist die Fachkenntnis der Mitarbeiter. Es ist im Zeitalter von amazon wichtig, für die Buchpreisbindung zu kämpfen und in der lokalen Buchhandlung zu kaufen, um diese Vielfalt und Qualität zu erhalten.

Steh-Café und Spirituosen Melange (Eisenbahnstr. 64)

Das kleine Steh-Café in der Nähe unserer Agentur überzeugt mich schon viele Jahre durch guten italienischen Kaffee. Hier stehe ich manchmal draußen in der Freiburger Morgensonne und starte in den Agentur-Tag. Ab und zu – das ist keine Story – trinkt Jogi Löw hier seinen Espresso und freut sich, wenn man ihn nicht anspricht. Hätte das italienische Steh-Café noch die französischen Pâtisserien aus dem Kolben-Café am Martinstor, wäre der Ort für mich kulinarisch perfekt.

 Saftlädele (Schusterstr. 34)

Es fühlt sich wie in Spanien oder Portugal an, wenig Freiburg-heimelig oder Altstadt-typisch. Sommers macht man in der kleinen schattigen Gasse eine Pause und genießt aus 20 verschiedenen Sorten die frisch gepressten Säfte. Es gibt eine „Saftkarte“ sowie den „Tagessaft“ und eine Auswahl an Obstschalen oder Müsli für den kleinen Hunger. Perfekt für Shoppingmüde, Studenten oder Touristen zwischendurch.

Augustiner Museum

Wir arbeiten in der Agentur viel mit Museen aus aller Welt zusammen. Natürlich habe ich in Freiburg ein kleines Lieblingsmuseum: Das Augustinermuseum. Die Sammlung reicht vom Mittelalter bis zum Barock sowie Malerei des 19. Jahrhunderts. Es war eine ehemaligen Klosterkirche und dank des Architekten Christoph Mäckler ist ein beeindruckender, moderner Museumsbau entstanden, der überraschende Ein- und Ausblicke bietet, mit Balkonen, Galerien und Stegen, Nischen und Fenster.

Spielzeugladen Holzpferd (Gerberau 24)

Ein Laden zum Träumen. Hier habe ich viel für meine zwei Kinder gekauft, als sie kleiner waren. Holzwaren, Einzelstücke, das komplette Sortiment an wirklich hochwertigen kleinen, wie großen Spielwaren, Klassiker wie auch Neues. Seit 1987 gibt es diesen winzig kleinen Laden, gegründet und seitdem geführt von Michael Hauser. Ich mag es, wenn man so kompetent und dann auch noch super sympathisch beraten wird.

Korbflechterei Witt (Hauptstr. 35)

Weiden, Winden, Rattan, Rohr oder Bambus. Wer seine Korb-Stühle oder -Sessel reparieren lassen möchte, ist hier richtig. Doch auch Einzelanfertigungen sind die Regel in dieser kleinen, seit 1961 bestehenden Meister-Korbflechterei, die schon in der zweiten Generation geführt wird, mitten in Freiburg-Herdern.

Papeterie Gutenberg Druckerei (Konviktstr. 14)

Die zur Gutenbergdruckerei Benedikt Oberkirch gehörende Papeterie lohnt für einen Besuch, wenn man in der Nähe des Schwabentors spaziert. Die Leidenschaft dieses Geschäfts für Gestaltung, Druck und Papier zeigt sich in der Auswahl an Mustern. Man kann auf der Suche nach einem besonderen Geschenk zwischen feinsten Papierwaren, handgefertigten Alben und anderen edlen Kostbarkeiten wählen. Ich habe hier viel für die Collagen meiner ersten vier Bücher gefunden.

Ich hätte auch folgendes Tipps:

  • Honig Galerie Fischerau
  • Großer Meyerhof
  • Kandelhof Kino
  • Schlüssel-Schilder Laden Gerberau
  • Rösterei Wild
  • Kolben Café
  • La Finca, Stadtstr. 50
  • Alte Wache
  • Adelhauser Platz
  • Unibibliothek
  • Dinkelbackstube, Herdern
  • Tante Emma Laden Tischlein deck’ Dich, Belfortstr. 26
  • Bäckerei Bühler, Wiehre
BZ Fragebogen 2017...

heute ausgefüllt von Murielle Rousseau

Was wollten Sie als Kind werden?
Ganz viel mit Papier und Stift zu tun haben, also abwechselnd Schreibwarenverkäuferin, Buchhändlerin oder Autorin. Nur nicht Papierfliegerpilotin.

Ihr Lieblingsplatz in Freiburg?
Der Adelhauser Platz auf den Stufen der Kirche.

Ihr Lieblingslokal in Freiburg?
Drexler in der Mittagszeit, ganz in der Nähe meiner Agentur.

Ihr Lieblingsfach in der Schule?
Meine Muttersprache, Französisch, mit ihrer Literatur

Worüber können Sie herzhaft lachen?
Über alles, was meine Kinder an Spaß in mein Leben gebracht haben. Und über mich.

Was machen Sie gerne in Ihrer Freizeit?
Ohne Reihenfolge: Bis zu 21,9 Kilometer rennen, auf meinem Landhaus an der Loire sein, mit meinen Kindern sein, Kochen, Skifahren, klassische Musik hören, Gärtnern und noch mehr, aber der Platz reicht hier nicht.

Welches Buch hat Sie in jüngster Zeit am meisten beschäftigt?
Ein sehr intelligentes vom Philosophen Dr. Christoph Quarch und dem Hirnforscher Gerald Hüther über die Kunst des Spiels. Und das, was ich selbst gerade beendet habe und im Herbst beim Suhrkamp/Insel Verlag herauskommt, es heißt „Savoir vivre“.

Wann waren Sie zuletzt in der Kirche?
Letzte Woche bei einer Beerdigung.

Wann waren Sie zuletzt im Kino? In welchem Film?
Ach, ich suche immer den perfekten Film und finde ihn nicht. Es war mit Omar Sy. Er ist lustig.

Welche Musik hören Sie gerne?
Fast jede klassische Musik, ganz besonders liebe ich ein Klarinettenkonzert von Mozart. Und natürlich französische Chansons von Piaf über Léo Ferré oder Jacques Brel, Brassens oder Hardy.

Ihre Lieblingsinternetseite?
Habe ich keine oder tausende.

Wovor haben Sie Angst?
Vor immer weniger, das bringt die Fünf vor der Null mit sich.

Haben Sie ein Vorbild?
Nein, eigentlich nicht. Wenn doch, dann ist es mein Vater, der trotz Gehbehinderung seit frühester Kindheit ein unschlagbarer Optimist und bon vivant war und an das Gute im Menschen glaubte.

Was mögen Sie an sich selbst?
Schwierige Frage. Nächste Frage. Nein, im Ernst, ich bin ganz zufrieden mit mir.

Was bringt Sie auf die Palme?
Opportunisten und Besserwisser. Aber das regt sicher jeden auf.

Wo machen Sie gerne Urlaub?
In Frankreich, ganz speziell an der Loire, in der Bretagne oder an der Côte de Provence.
Ich liebe aber auch Österreich oder Italien.

Ihr größter Erfolg?
Meine Kinder.

Sie bekommen eine Zeitreise geschenkt – wohin reisen Sie?
Ich denke ich würde in die 20er /30er Jahre des letzten Jahrhunderts reisen, in der Jugendzeit meiner Großmutter, in der Nähe von Cognac. Ich schreibe an einem Roman, der genau dort spielt.

Mit wem würden Sie gern mal einen Tag lang tauschen? Warum?
Mit keinem.

Welche Schlagzeile würden Sie gerne einmal lesen?

Angenommen, Sie gewinnen bei Jauch eine Million. Was machen Sie damit?

Bitte vervollständigen Sie: Am Herd gelingt mir am besten …
Boeuf bourguignon.

Wer es in meinem Job zu etwas bringen will, der …
… ihn wirklich mit Leidenschaft ausübt. Die Arbeit in meiner Agentur (ich kümmere mich dort um Presse- & Öffentlichkeitsarbeit für Literatur und Kunst) muss man muss viel lesen, gut verhandeln, schlau sein und gut kommunizieren können.

Die Zeit vergesse ich, wenn …
…ich meine Bücher schreibe.

Einmal im Leben will ich unbedingt  …

Als Oberbürgermeister von Freiburg würde ich …
… überall Leihräder aufstellen.